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           Zeckengefahr

Ein Bericht über dasThema: “Die Zecke eine Gefahr für Jedermann”
vom 17.05.2004 aus dem Frauenmagazin Donna Clara
mit
Dr. Christian Lücker,
Arzt für Allgemeinmedizin in Pr. Oldendorf

Ein Waldsparziergang oder ein Picknick im Grünen wären jetzt, wo die Sonne schon öfter scheint, genau das richtig. Aber manchmal ist etwas vorsichtig geboten, denn in Bodennähe, auf Gräsern, in Sträuchern, im Unterholz und in Hecken lauert die Gefahr. Es sind die Zecken, die dort auf ihre Opfer warten. Sie mögen Rehe, Füchse, Mäuse, Ratten und Hunde und wollen nur ihr Blut. Aber Menschen verachten Sie auch nicht. Welche Gefahr geht tatsächlich von den Zecken aus?

Dr. Lücker:
Zecken sind kleine Tierchen, die vorzugsweise im Wald vor allem im Unterholz zu finden sind . Die Tiere haben bestimmte Organe, mit denen sie riechen und chemische Strukturen wahrnehmen und dann diejenigen befallen, die entsprechende Reize aussenden. Da haben Sie dann schon die erste Ursache, warum manche Leute viele Zecken bekommen und andere nie.
Zecken sind in der Lage Krankheiten zu übertragen. Wir kennen in der Hauptsache 2. Es gibt aber, je weiter man weltweit forscht, mindestens 5 die übertragen werden können.

Für uns spielen allerdings 2 eine Rolle:
Die erste, die auch in unseren Regionen auftritt, ist die sog. Leimborreliose. Ein Forscher namens Borrelli hat zum ersten Mal diese gedrehten Stäbchen unter dem Mikroskop nachgewiesen. Die Zecke, die diese Leimborreliose überträgt, muss mindestens 4 Stunden auf dem Körper sein. Nicht jede Zecke ist mit Leimborrelien infiziert. Man geht davon aus, dass es in etwas jede 10. Zecke ist. Also, wenn Sie einen Zeckenbiss bekommen, bitte nicht in Panik ausbrechen, die Wahrscheinlichkeit, dass Sie infiziert sind, liegt ungefähr bei 1 : 100.

Die zweite Erkrankung, die durch Zecken übertragen wird, ist die Frühsommerzeckenenzephalitis (FSME). Da gibt es sog. Endemiegebiete, das sind Gebiete in denen die Zecken häufiger dieses Virus, die Borellien sind Bakterien, übertragen. Da kann man ungefähr sagen, Bayerischer Wald, Österreich, Ungarn, also in südlichen Gefilden, ebenso in Schweden.

Gut und schön, aber so ganz beruhigend ist das noch nicht.. Was mache ich denn nun, wenn mich so ein kleines Biest doch erwischt hat.

Dr. Lücker
Die Zecke saugt Blut und gibt gleichzeitig Speichel ab. Die Borrelien finden sich im Mageninhalt der Zecke, d.h. der abgegebene Speichel muss eine bestimmte Menge überschritten haben. Wenn Sie also von einer Zecke befallen sind sollten  Sie diese Zecke innerhalb von 4 Stunden entfernen Bei der Entfernung meine ich nicht Öl draufgeben oder rausdrehen oder mit Mehl bestäuben, Zecken haben  kein Gewinden. Zecken reagieren bei chemischen Substanzen mit einer vermehrten Speichelproduktion, d.h. Sie machen das ganze dadurch nur noch schlimmer. Sie fassen einfach die Zecke ganz tief unten mit einer Pinzette an ihren Beißwerkzeugen oder Sie nehmen eine Zeckenzange und ziehen die Zecke einfach ganz gerade heraus. Sollte ein Stückchen in der Haut bleiben, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt, der wir mit Ihnen beraten, ob man dieses Stück entfernen muss oder nicht.

Und wenn meine Zecke nun ausgerechnet diese Borelliose hatte, was mach ich dann?

Dr. Lücker
Ist die Zecke vollgesogen mit Blut und Sie haben sie entfernt, dann kann es sein, dass Sie eine Borrelieninfektion bekommen haben. Die Borrelieninfektion ist duch die bereits genannte Wanderröte noch Wochen bis Monate später, das ist wichtig zu wissen, Wochen bis Monate später aufzudecken. Diese Rötung der Haut, meistens an der Einstichstelle, kann aber auch an anderen Stellen auftreten, ist ein teilweise untertassengroßer Bezirk, der einen roten Rand hat. Dieser rote Rand wächst und wächst und wächst. Tritt eine Wanderröte auf, liegt eine Borrelieninfektion vor. Da Borrelien Bakterien sind gibt man mindestens 14 Tage ein Antibiotikum. Vorgeschrieben sind täglich mindestens 2 x 100 mg Doxycyclin. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Infektion dadurch weg ist liebt bei 95 %.

Wie heißt es doch so schön, Ausnahmen bestätigen die Regel, das ist auch im Fall der Zecke so.

Dr. Lücker
Bei 20 % der Zeckenbisse kann eine Infektion auftreten ohne dass man eine Wanderröte bekommt. Über diese Borreliose entwickelt sich dann eine chronische Entzündung, die im Blut nachzuweisen ist. Sollten Symptome wie rheumatische Beschwerden auftreten, die allerdings aufgrund   des Zeckentyps häufiger in Amerika zu finden sind oder  neurologische Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Kopfdruck  oder auch Lähmungenauftreten, muss im Blut nach Zecken geforscht werden. Je früher man die Diagnose stellt und  je früher man mit Antibiotika ehandelt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung folgenlos abheilt.

Also ich würde wahrscheinlich gleich zum Arzt rennen und versuchen vorsorglich solch ein Antibiotikum zu nehmen.
Ist das notwendig und sollte man das machen oder vielleicht doch besser nicht?

Dr Lücker
Da gibt es große Diskussionen, aber die Diskussionen sind eindeutig in die Richtung geführt, dass man nur dann ein Antibiotikum einsetzt, wenn die Wanderröte aufgetreten ist. Also ein einfacher Zeckenbiss mit einer entfernten Zecke muss nicht weiter behandelt werden. Erst wenn die Wanderröte da ist, sollte man behandeln.

 

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